In Kürze
Die Westrick-Formel ist eine Rechenformel, mit der sich die wirtschaftliche Belastung aus einem Tarifabschluss auf eine einheitliche Laufzeit von 12 Monaten umrechnen lässt. So lassen sich Tarifverträge mit unterschiedlichen Laufzeiten miteinander vergleichen.
Definition
Bei Tarifverhandlungen werden Lohnerhöhungen oft für Zeiträume vereinbart, die kürzer oder länger als ein Jahr sind. Um die tatsächliche jährliche Belastung zu ermitteln, bedient man sich der Westrick-Formel. Sie wurde erstmals 1963 vom damaligen Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Ludger Westrick, in einer Schlichtung in der Metallindustrie angewendet.
Die Formel funktioniert so: Die vereinbarte Erhöhung in Prozent wird mit der Laufzeit in Monaten multipliziert. Das Ergebnis wird dann durch die Laufzeit in Monaten plus die über 12 Monate hinausgehenden Monate geteilt. Beispiel: Eine Erhöhung von 2 % für 15 Monate ergibt eine jährliche Belastung von 1,67 % (Rechnung: 2 × 15 ÷ 18).
Die Westrick-Formel eignet sich jedoch nur bei rein linearen Erhöhungen — also wenn der Lohn einmalig um einen festen Prozentsatz steigt. Sobald Pauschalen oder mehrstufige Erhöhungen vereinbart werden, greift die Formel nicht mehr zuverlässig.
In solchen Fällen kommen zwei alternative Berechnungsmethoden zum Einsatz:
- Laufzeitrechnung: Die monatlichen Veränderungen werden über die gesamte Vertragslaufzeit summiert und durch die Anzahl der Monate geteilt. Diese Methode eignet sich besonders, wenn der Tarifvertrag nicht am 1. Januar beginnt.
- Kalenderjahrrechnung: Sie nutzt denselben Rechenweg, bezieht die Erhöhung aber auf das volle Kalenderjahr — unabhängig davon, wann der Tarifvertrag begann.
Alle drei Methoden dienen demselben Ziel: die wirtschaftlichen Auswirkungen eines Tarifabschlusses transparent und vergleichbar zu machen — für Tarifparteien, Unternehmen, Arbeitnehmer und die Öffentlichkeit.