In Kürze
Beurteilungsfehler sind unbewusste oder bewusste Verzerrungen, die bei der Bewertung von Bewerbern oder Mitarbeitern entstehen. Sie beeinträchtigen die Objektivität und können zu falschen Personalentscheidungen führen.
Definition
Beurteilungsfehler treten vor allem bei Vorstellungsgesprächen und Mitarbeiterbeurteilungen auf. In den meisten Fällen sind sie dem Beurteiler nicht bewusst — sie entstehen durch typische Muster in der menschlichen Wahrnehmung und Bewertung.
Häufige Wahrnehmungsfehler sind:
- Selektive Wahrnehmung: Der Beurteiler nimmt nur Merkmale wahr, die zu seinem bereits vorhandenen Eindruck passen.
- Halo-Effekt (Überstrahl-Effekt): Ein einzelnes positives Merkmal überstrahlt die gesamte Beurteilung.
- Fehler des ersten oder letzten Eindrucks: Merkmale zu Beginn oder am Ende eines Gesprächs werden unverhältnismäßig stark gewichtet.
- Projektive Verzerrung: Der Beurteiler überträgt eigene Eigenschaften auf den Beurteilten und bewertet Ähnlichkeit positiver.
- Vorurteile: Verallgemeinerungen gegenüber bestimmten Gruppen oder unkritische Übernahme früherer Beurteilungen.
- Kleber-Effekt: Die Beurteilung orientiert sich zu stark am bisherigen Karriereverlauf des Mitarbeiters.
- Hierarchie-Effekt: Mitarbeiter höherer Hierarchieebenen werden tendenziell besser bewertet.
- Maßstabsfehler: Der Beurteiler legt unterschiedliche oder falsche Maßstäbe an — oft sich selbst als Vergleichsgröße.
Daneben gibt es drei typische Beurteilungstendenzen: Bei der Tendenz zur Milde bewertet ein unsicherer oder ängstlicher Beurteiler zu positiv. Bei der Tendenz zur Strenge legt ein erfahrener, aber überkritischer Beurteiler zu hohe Maßstäbe an. Bei der Tendenz zur Mitte werden aus Unsicherheit oder Informationsmangel durchgehend mittlere Werte vergeben — was sowohl schwache als auch starke Mitarbeiter falsch einordnet.
Von Beurteilungsfehlern zu unterscheiden sind Beurteilungsverfälschungen: Diese erfolgen absichtlich. Beispiele sind das sogenannte „Wegloben" unliebsamer Mitarbeiter, die Unterbewertung guter Mitarbeiter, um sie in der Abteilung zu halten, oder die bewusste Schädigung aus persönlichen Gründen.
Beurteilungsfehler lassen sich nicht vollständig vermeiden, aber durch regelmäßige Schulung der Beurteiler deutlich reduzieren.