In Kürze
Beim Factoring verkauft ein Unternehmen seine offenen Forderungen aus Warenlieferungen oder Dienstleistungen an ein spezialisiertes Finanzierungsinstitut. Dieses übernimmt die Vorfinanzierung, oft auch das Ausfallrisiko und die gesamte Forderungsverwaltung.
Definition
Factoring ist ein Finanzierungsgeschäft: Ein Unternehmen tritt seine Forderungen gegenüber Kunden an einen sogenannten Factor ab — also an ein darauf spezialisiertes Finanzierungsinstitut. Der Factor kauft dabei grundsätzlich alle Forderungen an, nicht nur unsichere oder zweifelhafte.
Das Leistungspaket beim Factoring besteht aus drei Bausteinen:
- Finanzierung: Der Factor zahlt den Forderungsbetrag sofort vor — dafür fällt ein Zinssatz an, der etwas über dem üblichen Bankzins liegt.
- Dienstleistung: Der Factor übernimmt Aufgaben wie Buchhaltung, Mahnwesen und Inkasso. Dafür wird eine Factoringgebühr erhoben, die in der Regel zwischen 0,5 % und 2,5 % des Forderungswerts beträgt.
- Versicherung (Delkredere): Der Factor trägt das Risiko, dass ein Kunde nicht zahlt. Bleibt dieses Risiko beim Unternehmen selbst, spricht man vom unechten Factoring.
Für Unternehmen bringt Factoring mehrere Vorteile: Offene Forderungen werden schnell zu Liquidität, Verwaltungsaufwand entfällt, und das Risiko von Forderungsausfällen wird ausgelagert. Außerdem kann sich die Eigenkapitalquote in der Bilanz verbessern, was bei Bankgesprächen hilfreich sein kann.
Auf der anderen Seite stehen Nachteile: Die Gebühren können je nach Umsatz erheblich sein. Zudem erfährt der Kunde in der Regel, dass das Unternehmen mit einem Factoringinstitut zusammenarbeitet und direkt dorthin zahlen soll — das sogenannte offene Factoring. Ein möglicher Imageschaden durch diesen offenen Forderungsverkauf wird heute jedoch als weniger gravierend eingeschätzt, da das Auslagern von Unternehmensbereichen weit verbreitet ist.