Vorgesetztenbeurteilung

In Kürze

Bei der Vorgesetztenbeurteilung bewerten Mitarbeiter das Verhalten und die Leistung ihrer direkten Führungskraft. Sie ist das Gegenstück zur klassischen Mitarbeiterbeurteilung und wird auch Aufwärtsbeurteilung genannt.

Definition

Die Vorgesetztenbeurteilung ist ein strukturiertes Verfahren, bei dem Mitarbeiter ihre Meinung zur Führungsarbeit ihres Vorgesetzten äußern können — möglichst ohne Angst vor Nachteilen. Im Unterschied zur gewöhnlichen Mitarbeiterbeurteilung, bei der der Vorgesetzte seine Mitarbeiter bewertet (Abwärtsbeurteilung), verläuft die Beurteilungsrichtung hier umgekehrt: von unten nach oben.

In Deutschland ist dieses Instrument bisher wenig verbreitet. Als häufige Gründe dafür werden fehlendes Interesse der Unternehmensleitung oder mangelndes Bewusstsein für den Nutzen genannt.

Die Beurteilung umfasst in der Regel drei Bereiche:

  • Persönlichkeitsbeurteilung: Wie verhält sich die Führungskraft im Alltag? Dieser Bereich ist am stärkstem von subjektiven Eindrücken geprägt.
  • Leistungsbeurteilung: Welche Ergebnisse hat die Führungskraft im vergangenen Zeitraum erzielt? Bewertet werden unter anderem Fach-, Management- und Methodenkompetenzen.
  • Potenzialbeurteilung: Welche Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten hat die Führungskraft? Dieser Bereich ist zukunftsorientiert.

Richtig eingesetzt, kann die Vorgesetztenbeurteilung als Frühwarnsystem dienen: Sie macht Probleme im Führungsverhalten sichtbar, bevor sie sich festigen. Mögliche Vorteile sind ein besseres Arbeitsklima, offenere Kommunikation, frühere Konflikterkennung und eine höhere Motivation der Belegschaft.

Die Beurteilung kann auf verschiedene Weisen erfolgen — etwa durch einen eigenen Fragebogen, im Rahmen einer Mitarbeiterbefragung oder als Teil eines 360-Grad-Feedbacks, bei dem die Führungskraft von mehreren Seiten gleichzeitig bewertet wird (z. B. durch Mitarbeiter, Kollegen auf gleicher Ebene und den eigenen Vorgesetzten).

Eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen ist ein ausreichendes Vertrauensverhältnis im Unternehmen. Außerdem sollte die Unternehmensleitung die Einführung aktiv unterstützen und selbst mit gutem Beispiel vorangehen.