In Kürze
Beim 360-Grad-Audit wird eine Führungskraft nicht nur von oben, sondern aus allen Richtungen beurteilt – durch Vorgesetzte, Kollegen und unterstellte Mitarbeiter. Ziel ist ein möglichst vollständiges Bild der Führungsleistung.
Definition
Das 360-Grad-Audit ist eine besondere Form der Leistungsbeurteilung im Bereich der Eignungsdiagnostik und Organisationsentwicklung. Es wird auch als 360-Grad-Feedback oder 360-Grad-Review bezeichnet.
In den meisten deutschen Unternehmen beurteilen Vorgesetzte ihre Mitarbeiter – also von oben nach unten (Top-Down-Beurteilung). Beim 360-Grad-Audit wird dieser Blickwinkel erweitert: Auch Mitarbeiter bewerten ihre Führungskraft (Bottom-up-Beurteilung), und in besonderen Fällen können sogar Kunden einbezogen werden.
Gerade in Führungspositionen ist diese Rundum-Perspektive besonders wichtig, weil dort die Führungsleistung – und nicht nur das Fachwissen – entscheidend für den Unternehmenserfolg ist.
Kritikpunkte
Ein häufig genannter Schwachpunkt: Mitarbeiter, die ihre Vorgesetzten bewerten sollen, geben manchmal beschönigte Antworten – aus Angst vor negativen Folgen. Deshalb sollten solche Befragungen grundsätzlich anonym durchgeführt werden.
Untersuchungen zeigen, dass fehlende Motivation bei Mitarbeitern häufig auf Führungsfehler zurückzuführen ist. Typische Ursachen sind unter anderem:
- Mitarbeiter wissen nicht, was genau von ihnen erwartet wird
- Vorgesetzte interessieren sich nur für die Arbeitsleistung, nicht für die Person
- Meinungen und Ideen der Mitarbeiter werden nicht berücksichtigt
- Führungskräfte kennen ihre eigenen Führungsdefizite nicht
Das 360-Grad-Audit kann helfen, solche Schwachstellen sichtbar zu machen – Voraussetzung ist eine offene Kommunikation in beide Richtungen: von der Führungsebene nach unten und von den Mitarbeitern nach oben.