In Kürze
Die Betriebssoziologie untersucht den Betrieb als soziales Gebilde und die Beziehungen der Menschen, die dort zusammenarbeiten. Sie beschäftigt sich sowohl mit offiziellen Strukturen als auch mit den unsichtbaren, informellen Netzwerken im Unternehmen.
Definition
Die Betriebssoziologie ist eine Wissenschaft, die sich auf betriebliche Fragestellungen spezialisiert hat. Im Mittelpunkt stehen die sozialen Beziehungen zwischen Beschäftigten sowie die Auswirkungen von Technik und Organisation auf Qualifikation und Arbeitsbelastung.
Zu den typischen Arbeitsfeldern gehören:
- Unternehmensstruktur und Organisation
- Betriebsverfassung – also Mitbestimmung und Mitwirkung des Betriebsrats
- Personalpolitik und Mitarbeiterstruktur
- Aus- und Weiterbildung
- Führung und Kommunikation
- Technologische Veränderungen und Reorganisationen
- Humanisierung der Arbeit
- Gruppendynamik
Ein zentrales Thema ist der Unterschied zwischen formeller und informeller Organisation. Die formelle Organisation umfasst die offizielle Hierarchie, Zuständigkeiten und Kommunikationswege. Die informelle Organisation entsteht daneben von selbst – durch persönliche Beziehungen, Gewohnheiten und stillschweigende Regeln.
Informelle Kommunikation verläuft oft schneller als der offizielle Dienstweg, weil sie keine formalen Wege einhalten muss. Gleichzeitig können Informationen dabei verändert werden oder auf ungewöhnlichen Wegen fließen.
Der soziale Status eines Mitarbeiters hängt nicht allein von seiner offiziellen Position ab. Auch Betriebszugehörigkeit, Ausbildung oder scheinbare Kleinigkeiten wie Bürolage oder Parkplatz beeinflussen, wie jemand im Betrieb wahrgenommen wird.
In jedem Unternehmen bilden sich außerdem informelle Gruppen – etwa Sportgemeinschaften, Stammtische oder Kantinenrunden. Solche Gruppen sind meist harmlos, können aber problematisch werden, wenn sie sich als Cliquen gegen Kollegen oder die Unternehmensleitung richten.
Eng damit verbunden ist das Phänomen der informellen Führung: In Arbeitsgruppen gibt es oft Personen, die ohne offiziellen Titel Einfluss auf andere ausüben. Formelle Führungskräfte sollten diese informellen Führungspersonen kennen, da Machtkämpfe zwischen beiden den Betriebsfrieden stören und die Erreichung von Unternehmenszielen behindern können.