Graphologie

In Kürze

Die Graphologie analysiert Handschriften, um Rückschlüsse auf Persönlichkeitsmerkmale zu ziehen. Sie wird in manchen Unternehmen bei der Personalauswahl eingesetzt, ist aber wissenschaftlich stark umstritten.

Definition

Die Graphologie ist eine Form der psychologischen Diagnostik, die aus dem Schriftbild eines Menschen Aussagen über seinen Charakter und seine Eigenschaften ableiten will. Dabei werden Merkmale wie Schriftgröße, Abstände, Buchstabenformen, Schreibrhythmus und Schriftstärke eingehend untersucht.

Aus diesen Einzelmerkmalen erstellt ein Graphologe ein Charakterbild. Erfahrung, Einfühlungsvermögen und psychologisches Verständnis spielen bei der Deutung eine wesentliche Rolle.

Wichtig: Die Graphologie ist nicht dasselbe wie die Schriftvergleichung. Die Schriftvergleichung prüft, ob ein Text von einer bestimmten Person stammt – etwa bei der Echtheitsprüfung eines Testaments. Der Charakter des Schreibers spielt dabei keine Rolle.

Im Bereich der Personalauswahl soll ein graphologisches Gutachten unter anderem Auskunft geben über:

  • Soft Skills eines Bewerbers
  • Stärken und Schwächen in bestimmten Arbeitsbereichen
  • Mögliche Problemfelder in beruflichen oder sozialen Beziehungen
  • Übereinstimmung zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung

Setzt ein Unternehmen Graphologie zur Bewerberauswahl ein, darf dies nur ergänzend – nicht als alleiniges Mittel – geschehen. Außerdem ist grundsätzlich das Einverständnis des Bewerbers erforderlich. Als erteilt gilt es, wenn dem Bewerbungsunterlagen freiwillig oder auf Anforderung ein handgeschriebener Lebenslauf beigefügt wurde.

Die Graphologie ist in der wissenschaftlichen Psychologie jedoch äußerst umstritten. Bisherige Untersuchungen zeigen, dass ihre Ergebnisse für die Personalauswahl weitgehend zufällig und kaum objektiv überprüfbar sind. Psychologen zweifeln stark an ihrer Aussagekraft. Positive Ergebnisse in graphologischen Studien lassen sich offenbar eher auf die Auswertung des Lebenslaufs zurückführen als auf die Handschrift selbst.