In Kürze
Das Harzburger Modell ist ein Führungskonzept, das Verantwortung gezielt an Mitarbeiter delegiert. Grundlage ist das Subsidiaritätsprinzip: Jede Ebene erledigt eigenverantwortlich, was sie kann.
Definition
Das Harzburger Modell wurde 1956 entwickelt und sollte den bis dahin verbreiteten autoritär-patriarchalischen Führungsstil in Unternehmen ablösen. Im Mittelpunkt steht die Delegation von Verantwortung: Mitarbeiter übernehmen eigenständig alle Aufgaben, für die sie befähigt und berechtigt sind.
Der Kerngedanke ist das Subsidiaritätsprinzip: Eine übergeordnete Ebene greift nur dann ein, wenn eine untere Ebene mit einer Aufgabe überfordert ist. Umgekehrt gibt eine untere Ebene eine Aufgabe nur dann nach oben ab, wenn sie selbst Hilfe benötigt oder nicht berechtigt ist, die Aufgabe zu erledigen.
Jeder Mitarbeiter trägt die volle Verantwortung für seinen in der Stellenbeschreibung festgelegten Aufgabenbereich und ist dafür automatisch zeichnungsberechtigt. Das Modell integriert dabei folgende Führungsansätze:
- Management by Exception (MbE) – Vorgesetzte greifen nur bei Ausnahmen ein
- Management by Delegation (MbD) – Aufgaben und Verantwortung werden systematisch übertragen
- Management by Objectives (MbO) – Führung über vereinbarte Ziele
Zentrale Bestandteile des Modells sind ausführliche Führungsanweisungen, Führungsgrundsätze und Stellenbeschreibungen. Diese Regelungsdichte macht das Modell jedoch starr und bürokratisch — es ersetzt letztlich eine autokratische durch eine bürokratische Führungsform.
Zu den zentralen Aussagen des Modells gehören unter anderem: allgemeine Führungsrichtlinien, Beratungs- und Handlungsverantwortung, Teamarbeit, Zeichnungsrecht sowie die Idee einer Organisation von unten nach oben.