Liquiditätskennzahlen

In Kürze

Liquiditätskennzahlen zeigen, ob ein Unternehmen seine Schulden bezahlen kann. Sie werden aus der Bilanz berechnet und geben Auskunft über die finanzielle Stabilität eines Betriebs.

Definition

Liquiditätskennzahlen sind Verhältniszahlen, die das Verhältnis von verfügbaren Geldmitteln zu fälligen Verbindlichkeiten eines Unternehmens abbilden. Sie werden sowohl intern — etwa zur Unternehmenssteuerung — als auch extern, zum Beispiel von Banken, ermittelt.

Wichtig zu wissen: Da die Bilanz immer auf einen bestimmten Stichtag bezogen ist, spiegeln diese Kennzahlen nur die Lage an diesem einen Tag wider. Schon kurze Zeit später kann die Situation ganz anders aussehen.

In der Praxis werden vor allem folgende Kennzahlen verwendet:

  • Liquidität 1. Grades (Barliquidität): Verhältnis von liquiden Mitteln (Kasse, Bankguthaben) zu kurzfristigen Verbindlichkeiten. Als Richtwert gilt: mindestens 20 % Deckung (sogenannte 1:5-Regel).
  • Liquidität 2. Grades (Einzugsbedingte Liquidität): Liquide Mittel plus Forderungen im Verhältnis zum kurzfristigen Fremdkapital. Angestrebt wird ein Wert von mindestens 50 %, besser 100 %.
  • Liquidität 3. Grades (Umsatzbedingte Liquidität): Das gesamte Umlaufvermögen wird dem kurzfristigen Fremdkapital gegenübergestellt. Der Richtwert liegt bei 200 %, mindestens jedoch 100 %.
  • Kreditanspannung: Verhältnis von Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen zu den eigenen Forderungen aus Warenlieferungen.
  • Anlagendeckung I: Zeigt, wie viel des Anlagevermögens durch Eigenkapital gedeckt ist. Mindestens 50 % gelten als Untergrenze.
  • Anlagendeckung II (Goldene Finanzregel): Das Anlagevermögen sollte vollständig durch langfristiges Kapital — also Eigenkapital und langfristige Kredite — finanziert sein (Richtwert: 100 %).

Ergänzend wird häufig das sogenannte Working Capital betrachtet: die Differenz zwischen Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten. Ein positiver Wert gilt als Zeichen finanziellen Gleichgewichts; ein negativer Wert kann auf drohende Zahlungsunfähigkeit hinweisen.

Für eine aussagekräftige Einschätzung empfiehlt es sich, Liquiditätskennzahlen regelmäßig und nicht nur einmal jährlich zu ermitteln — nur so lassen sich Entwicklungen und Trends im Zeitverlauf erkennen.