Rollentheorie und Zielkonflikt

In Kürze

Die Rollentheorie beschreibt, wie gesellschaftliche Erwartungen das Verhalten von Menschen prägen. Im Arbeitsalltag entstehen daraus häufig Zielkonflikte — besonders für Führungskräfte, die viele widersprüchliche Erwartungen gleichzeitig erfüllen sollen.

Definition

Eine soziale Rolle ist die Summe aller Erwartungen, die andere Menschen an eine Person in einer bestimmten Position stellen. Jeder Mensch nimmt gleichzeitig mehrere Rollen wahr — zum Beispiel als Fachkraft, Vorgesetzte oder Teammitglied. Diese Rollen können sich gegenseitig widersprechen.

Entscheidend ist, welche Erwartungen eine Person tatsächlich wahrnimmt: Sie beeinflussen ihr Verhalten maßgeblich. Wer wenig Rollenmacht hat, muss Erwartungen oft einfach übernehmen, um negative Folgen zu vermeiden — und gleichzeitig mit unklaren oder widersprüchlichen Rollenanforderungen eigenständig umgehen.

Die Rollentheorie unterscheidet dabei zwei grundlegende Verhaltensweisen:

  • Role-taking: Die Rolle wird übernommen, um Sanktionen zu vermeiden.
  • Role-making: Die Rolle wird aktiv und eigenständig ausgestaltet, wenn sie unklar oder mehrdeutig ist.

Für Führungskräfte entstehen aus unterschiedlichen Erwartungen vielfältige Spannungsfelder. Typische Gegensatzpaare sind zum Beispiel Fremd- und Selbstbestimmung, Gleichbehandlung und Einzelfallgerechtigkeit oder Konkurrenz und Kooperation. Der persönliche Führungsstil zeigt sich darin, wie eine Führungskraft mit diesen Widersprüchen umgeht.

Individuelle Handlungskompetenz entsteht dabei vor allem durch praktische Erfahrung. Aktives Mitgestalten stärkt die Fähigkeit, mit solchen Spannungen konstruktiv umzugehen.