In Kürze
Die Zeugnisanalyse ist die systematische Prüfung eines Arbeitszeugnisses auf Vollständigkeit, Formulierungen und mögliche versteckte Aussagen. Sie hilft dabei, den wahren Inhalt eines Zeugnisses richtig zu verstehen.
Definition
Ein Arbeitszeugnis enthält mehr Informationen, als auf den ersten Blick erkennbar ist. Bei der Zeugnisanalyse wird das Dokument Schritt für Schritt auf bestimmte Merkmale geprüft. Dabei spielt nicht nur der Inhalt eine Rolle, sondern auch die Art der Formulierung – die sogenannte Zeugnissprache.
Wichtig ist zu wissen, ob das Zeugnis von jemandem mit Erfahrung in der Zeugniserstellung verfasst wurde. Laien meinen oft wörtlich, was sie schreiben – Fachleute hingegen nutzen bestimmte Formulierungen, die in der Praxis eine festgelegte Bedeutung haben. Dasselbe Wort kann je nach Verfasser also Unterschiedliches bedeuten.
Eine sorgfältige Analyse umfasst folgende Bestandteile:
- Ausstellungsdatum: Das Zeugnis sollte zum Ende des Arbeitsverhältnisses ausgestellt worden sein. Liegt es Monate oder Jahre zurück, sinkt sein Informationswert deutlich.
- Einleitungssatz: Dauer der Beschäftigung, Art der Position und Ende des Arbeitsverhältnisses sollten klar benannt sein.
- Aufgabenbeschreibung: Umfang, Schwerpunkte, Vollmachten, Verantwortung und Veränderungen im Aufgabenbereich sollten nachvollziehbar beschrieben sein.
- Leistungs- und Verhaltensbeurteilung: Welche Kriterien werden genannt, und wie sind sie formuliert?
- Schlussabsatz: Bei einer guten Beurteilung sollten Dank, Bedauern über den Weggang und gute Wünsche enthalten sein.
- Unterschriften: Die unterzeichnenden Personen sollten namentlich und mit ihrer Funktion erkennbar sein. Mindestens eine Person muss dem ausscheidenden Mitarbeiter hierarchisch übergeordnet gewesen sein.
Bei Zeugnissen für Führungskräfte sollte zusätzlich geprüft werden, ob Führungsqualitäten wie Mitarbeiterführung, Delegation, Erfolgskontrolle und Personalentwicklung bewertet wurden.
Grundsätzlich gilt: Ein Zeugnis sollte immer mehrfach gelesen werden. Wer sich zu schnell auf ein einzelnes Detail festlegt, riskiert eine Fehleinschätzung des Gesamtbildes.