Factoring

Beim Factoring verkauft ein Unternehmen seine offenen Forderungen aus Warenlieferungen oder Dienstleistungen an ein spezialisiertes Finanzierungsinstitut, den sogenannten Factor. Dieser übernimmt die Vorfinanzierung, oft auch das Ausfallrisiko und die gesamte Forderungsverwaltung.

In Kürze

Beim Factoring verkauft ein Unternehmen seine offenen Forderungen aus Warenlieferungen oder Dienstleistungen an ein spezialisiertes Finanzierungsinstitut, den sogenannten Factor. Dieser übernimmt die Vorfinanzierung, oft auch das Ausfallrisiko und die gesamte Forderungsverwaltung.

Definition

Factoring ist ein Finanzierungsgeschäft des Zivilrechts: Ein Unternehmen tritt bestehende oder künftig entstehende Geldforderungen gegenüber seinen Kunden entgeltlich an einen Factor ab. Rechtliche Grundlage ist der Forderungskauf nach § 453 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB). Der Factor kauft dabei grundsätzlich alle Forderungen an — nicht nur unsichere oder zweifelhafte.

Damit Forderungen für das Factoring geeignet sind, müssen sie wirksam entstanden, hinreichend bestimmbar, frei übertragbar, unbestritten und rechtlich durchsetzbar sein. Der Factor zahlt einen Kaufpreis, der in der Regel unter dem Nennwert der Forderung liegt (Abschlag), und kehrt diesen sofort oder zeitnah nach Übertragung aus. Die Einziehung der Forderung erfolgt anschließend auf eigene Rechnung des Factors.

Das Leistungspaket beim Factoring besteht typischerweise aus drei Bausteinen:

  • Finanzierung: Der Factor zahlt den Forderungsbetrag sofort vor. Dafür fällt ein Zinssatz an, der etwas über dem üblichen Bankzins liegt.
  • Dienstleistung: Der Factor übernimmt Aufgaben wie Debitorenverwaltung, Buchhaltung, Mahnwesen, Bonitätsprüfung und Inkasso. Hierfür wird eine Factoringgebühr erhoben, die in der Regel zwischen 0,5 % und 2,5 % des Forderungswerts beträgt.
  • Versicherung (Delkredere): Der Factor trägt das Risiko, dass ein Kunde nicht zahlt. Verbleibt dieses Risiko beim Unternehmen selbst, spricht man vom unechten Factoring.

Für Unternehmen bringt Factoring mehrere Vorteile: Offene Forderungen werden schnell zu Liquidität, Verwaltungsaufwand entfällt, und das Risiko von Forderungsausfällen wird ausgelagert. Außerdem kann sich die Eigenkapitalquote in der Bilanz verbessern, was bei Bankgesprächen hilfreich sein kann.

Auf der anderen Seite stehen Nachteile: Die Gebühren können je nach Umsatz erheblich sein. Beim sogenannten offenen Factoring erfährt der Kunde, dass das Unternehmen mit einem Factor zusammenarbeitet und direkt dorthin zahlen soll. Ein möglicher Imageschaden durch diesen offenen Forderungsverkauf wird heute jedoch als weniger gravierend eingeschätzt, da das Auslagern von Unternehmensbereichen weit verbreitet ist.

Abzugrenzen ist Factoring vom Inkasso: Beim Inkasso verbleibt die Forderung wirtschaftlich beim ursprünglichen Gläubiger — beim Factoring geht sie endgültig auf den Factor über. Eine gesetzliche Verpflichtung zur Nutzung von Factoring besteht nicht.

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