In Kürze
Lohndrift bezeichnet den Unterschied zwischen dem tariflich vereinbarten Lohn und dem Lohn, den ein Arbeitgeber tatsächlich zahlt. Sie entsteht vor allem dann, wenn Unternehmen mehr zahlen als tariflich vorgeschrieben, um Fachkräfte zu gewinnen.
Definition
Die Lohndrift ergibt sich aus einer einfachen Rechnung: Effektivlohn minus Tariflohn. Der Effektivlohn ist das, was der Arbeitnehmer wirklich auf dem Konto hat. Der Tariflohn ist das, was im Tarifvertrag als Mindestbetrag festgelegt wurde.
Da Tariflöhne gesetzlich als Mindestlöhne gelten, ist die Lohndrift in der Regel positiv — Arbeitgeber zahlen also mehr als den Tarif. In der Praxis kann es aber auch negative Lohndriften geben, etwa wenn tarifliche Arbeitsverhältnisse in geringfügige Beschäftigung (Mini- oder Midijobs) umgewandelt werden.
Eine hohe Lohndrift zeigt oft, dass Fachkräfte knapp sind: Wenn die Nachfrage nach bestimmten Qualifikationen das Angebot übersteigt, zahlen Unternehmen übertarifliche Vergütungen oder zusätzliche Leistungen, um Mitarbeiter zu gewinnen oder zu halten.
Für Unternehmen birgt das ein Risiko: Entspannt sich der Arbeitsmarkt wieder, lassen sich einmal gewährte Gehaltserhöhungen kaum zurücknehmen. Um flexibel zu bleiben, können Arbeitgeber vertraglich oder per Betriebsvereinbarung festlegen, dass übertarifliche Zahlungen auf künftige Tariferhöhungen angerechnet werden dürfen.
Die Lohndrift ist außerdem ein wirtschaftlicher Indikator: Sie zeigt, wie stark Tarifabschlüsse das tatsächliche Lohnniveau in einem Unternehmen oder einer Branche beeinflussen. Schwankungen im Preisniveau können die Lohndrift zusätzlich beschleunigen oder verzögern — dieser zeitliche Versatz wird als Lohnlag bezeichnet.