In Kürze
Die Bilanzanalyse ist die systematische Auswertung des Jahresabschlusses eines Unternehmens. Sie dient der strukturierten Beurteilung von Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie der wirtschaftlichen Entwicklung.
Definition
Die Bilanzanalyse — auch als Bilanzkritik, Bilanzprüfung oder Bilanzbeurteilung bezeichnet — ist ein betriebswirtschaftliches Instrument. Sie beschreibt die methodische Untersuchung des Jahresabschlusses, um ein umfassendes Bild der wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens zu gewinnen. Allein aus der laufenden Buchführung lässt sich der Unternehmenserfolg nicht vollständig erkennen.
Gegenstand der Bilanzanalyse ist nicht nur die Bilanz selbst, sondern der gesamte Jahresabschluss. Dazu gehören die Bilanz, die Gewinn- und Verlustrechnung (G+V) und der Anhang — bei Kapitalgesellschaften zusätzlich der Lagebericht. Grundlage sind die Gliederungs- und Bewertungsansätze der Rechnungslegung nach dem Handelsgesetzbuch, insbesondere § 266 HGB.
Man unterscheidet zwischen der internen und der externen Bilanzanalyse. Die interne Analyse kann auf deutlich mehr Unternehmensinformationen zurückgreifen. Die externe Analyse stützt sich ausschließlich auf öffentlich zugängliche Daten und bleibt daher auf Vergangenheitswerte beschränkt.
Eine Bilanzanalyse läuft typischerweise in vier Schritten ab:
- Sichtung des Jahresabschlusses: Verschaffen eines ersten Überblicks über wesentliche Positionen wie Kapital, Vermögen, Umsatz und Gewinn.
- Zeitvergleich: Gegenüberstellung der aktuellen Zahlen mit Vorjahresdaten, um Entwicklungen und Trends zu erkennen.
- Umgliederungen: Aufbereitung der Bilanzpositionen nach Laufzeiten; häufig wird eine sogenannte Strukturbilanz erstellt, die Vermögens- und Kapitalstruktur sichtbar macht.
- Kennzahlenbildung: Berechnung von Kennziffern aus den Bereichen Vermögens- und Kapitalstruktur, Rentabilität sowie Liquidität.
Dabei wird zwischen horizontalen Kennzahlen (Beziehung zwischen Vermögen und Kapital, z. B. Liquiditätsgrade) und vertikalen Kennzahlen (Einblick in Vermögens- und Kapitalstruktur, z. B. Eigenkapitalquote oder Verschuldungskoeffizient) unterschieden. Ein wichtiger Grundsatz ist die sogenannte goldene Bilanzregel: Langfristiges Anlagevermögen sollte durch langfristig verfügbares Kapital finanziert sein.
Die Bilanzanalyse dient der Information interner und externer Adressaten über Stabilität, Liquidität und Kapitalstruktur. Sie begründet keinen Anspruch auf wirtschaftliche Beteiligung oder Mitentscheidung und ist von der laufenden Buchführung abzugrenzen, die ausschließlich der Erfassung einzelner Geschäftsvorfälle dient.