Kalte Progression
In Kürze
Kalte Progression bezeichnet eine steuerliche Mehrbelastung trotz nominaler Einkommenssteigerung. Ursache ist die fehlende Anpassung progressiver Steuertarife an Inflation.
Definition
Kalte Progression ist ein steuerrechtlicher Begriff. Kalte Progression beschreibt eine reale Steuermehrbelastung bei nominal steigenden Einkommen infolge unveränderter progressiver Einkommensteuertarife. Sie entsteht, wenn Einkommenszuwächse lediglich inflationsbedingte Kaufkraftverluste ausgleichen, jedoch höhere Steuersätze auslösen. Kalte Progression liegt vor, wenn Tarifgrenzen nicht an die allgemeine Preisentwicklung angepasst sind. Maßgebliche Rechtsgrundlage ist das Einkommensteuergesetz (Einkommensteuergesetz – EStG) mit seinem progressiven Tarifverlauf. Der Effekt führt dazu, dass das Realeinkommen trotz höherem Bruttoeinkommen sinkt oder stagniert. Eine automatische gesetzliche Verpflichtung zur vollständigen Inflationsanpassung besteht nicht. Kalte Progression ist von der regulären Steuerprogression abzugrenzen, da sie keine reale Leistungssteigerung voraussetzt. In der Praxis betrifft Kalte Progression insbesondere Arbeitnehmer bei regelmäßigen Lohnanpassungen ohne gleichzeitige Tarifkorrekturen.