Mehrliniensystem
In Kürze
Das Mehrliniensystem beschreibt eine besondere Form der betrieblichen Aufbauorganisation. Es regelt die gleichzeitige Unterstellung einer Stelle unter mehrere fachliche Weisungsinstanzen.
Definition
Mehrliniensystem ist ein arbeitsrechtlicher Begriff. Er bezeichnet eine Organisationsform, bei der Arbeitnehmer mehreren vorgesetzten Stellen gleichzeitig fachlich unterstellt sind. Das Mehrliniensystem liegt vor, wenn Weisungsbefugnisse funktional auf verschiedene übergeordnete Instanzen verteilt festgelegt sind. Kennzeichnend ist, dass Anordnungen unmittelbar von spezialisierten Führungseinheiten ohne hierarchische Zwischenschritte erteilt werden. Voraussetzung ist eine strukturierte Aufbauorganisation, in der Zuständigkeiten mehrerer Leitungsstellen nebeneinander organisatorisch verankert sind. Rechtsgrundlagen ergeben sich mittelbar aus dem arbeitsvertraglichen Weisungsrecht nach § 106 Gewerbeordnung, Gewerbeordnung (GewO). Das Mehrliniensystem begründet keine Erweiterung des individuellen Direktionsrechts über den arbeitsvertraglichen Rahmen hinaus. Es ist vom Einliniensystem abzugrenzen, bei dem jede Stelle nur einer einzigen Weisungslinie unterliegt. In der betrieblichen Praxis beeinflusst das Mehrliniensystem die Ausgestaltung von Führungsstrukturen und innerbetrieblichen Kommunikationswegen.